Islamischer Religionsunterricht
Primarschule Kreuzlingen



Runder Tisch der Religionen
Projekt islamischer Religionsunterricht
Matthias Loretan, Susanne Dschulnigg
Hauptstrasse 96
8280 Kreuzlingen

 

Kreuzlingen, im Juli 2010

(Angepasst im September 2013)




Inhaltsverzeichnis

- Runder Tisch der Religionen
- Ausländeranteil in Kreuzlingen
- Projektgruppe Islamischer Religionsunterricht
- Konzept
- Verein Islamischer Religionsunterricht
- Stellungnahme Schule Kreuzlingen
- Umsetzung des Projektes
- Finazierung

- Nach der Pilotprojektphase
 


 

Runder Tisch der Religionen
 

Der Runde Tisch der Religionen bietet ein Diskussionsforum für die verschiedenen Religionen und für weitere Interessierte. In ihm werden Impulse und Anregungen aufgenommen und in Veranstaltungen oder Projekte umgesetzt. Aus einem Workshop, organisiert im Jahr 2007 zum Thema „Islamischer Religionsunterricht – in Hinterhöfen oder im Klassenzimmer?“, ging das Projekt islamischer Religionsunterricht an der Primarschule hervor.


Ausländeranteil in Kreuzlingen

In Kreuzlingen lebten im Jahr 2009 18.933 Personen von denen 9731 (51,4 %) Schweizer und 9202 (48,6 %) Ausländer sind. Zurzeit leben ca. 2000 Muslime in Kreuzlingen. Davon sind ca. 200 Familien zahlende Mitglieder des albanisch-islamischen Vereins, 50 Familien gehören dem türkisch- islamischen Verein an.

Von den insgesamt 1900 Schülerinnen und Schüler sind 23 Prozent muslimischen Glaubens, evangelisch sind 24 Prozent, katholisch 32 Prozent.


Projektgruppe Islamischer Religionsunterricht

Um das Projekt Islamischer Religionsunterricht zu ermöglichen, wurde eine Projektgruppe zusammengestellt, die möglichst alle beteiligten Gruppierungen umfasst. Der Projektgruppe gehören Mitglieder folgender Organisationen an: albanisch-muslimische Gemeinde Kreuzlingen, türkisch-islamischer Verein, Schulgemeinde Kreuzlingen, Stadtverwaltung Kreuzlingen, evangelische Kirchgemeinde, katholische Pfarrei St. Ulrich, Pädagogische Hochschule.

Die einzelnen Mitglieder sind:

 - Judith Borer, Dozentin an der pädagogischen Hochschule Thurgau
 - Mark Keller, Dozent an der pädagogischen Hochschule Thurgau
 - Matthias Loretan, Gemeindeleiter, katholische Pfarrei St. Ulrich, Kreuzlingen
 - Susanne Dschulnigg, evangelische Kirchenvorsteherschaft Kreuzlingen
 - Rehan Neziri, Imam albanische Religionsgemeinschaft
 - Dzeljalj Kazimi, albanische Religionsgemeinschaft
 - Mehmet Tekel, türkische Religionsgemeinschaft
 - Serap Altintas, türkische Religionsgemeinschaft
 - Hans-Jürgen Michael, Schulleiter Kreuzlingen
 - Herbert Kammacher, Schulleiter Kreuzlingen
 - Zeljka Blank-Antakli, Integrationsdelegierte der Stadt Kreuzlingen

Die Projektgruppe hat ihre Arbeit im September 2009 aufgenommen und in 6 Sitzungen das Projekt ausgearbeitet. Dabei sieht sich die Projektgruppe in der Funktion einer Hebamme. Sie erarbeitet das Konzept, hilft bei der konkreten Umsetzung, der Vereinsgründung und bei der Finanzierung. Die Realisierung wird an den zu gründenden Verein übergeben. Das Projekt wird durch die pädagogische Hochschule begleitet und ausgewertet.

Mit dem Projekt islamischer Religionsunterricht in der Primarschule werden folgende Ziele verfolgt:

  • Religiöse Identitätsbildung
  • Nutzen der Schule als wichtiger Sozialraum
  • Förderung der Integration von muslimischen Kindern und deren Eltern
  • Transparenz des Religionsunterrichtes erhöhen
  • Abbau von Schwellen und Ängsten
  • Förderung der Zusammenarbeit
  • Interreligiöser Austausch



Konzept

In zwei bis drei Kreuzlinger Schulhäusern soll muslimischen Kindern der Mittelstufe versuchsweise während drei Jahren eine Wochenlektion islamischer Religionsunterricht erteilt werden. Dabei geht es um einen islamischen Unterricht, bei dem zentrale Inhalte des Glaubens aus einer Innenperspektive der Religionsgemeinschaft vermittelt werden. Der Religionsunterricht entspricht dem Unterricht, der von den Landeskirchen erteilt wird. Die muslimischen Eltern werden eingeladen, ihre Kinder für diesen Unterricht anzumelden. Ins Projekt einbezogen werden die Mittelstufenklassen der Kreuzlinger Primarschulen, wobei im ersten Jahr nur mit den 4. Klassen gearbeitet wird. Unterrichtssprache ist Hochdeutsch. Der Unterricht ist öffentlich, Schulbesuche sind möglich. Der Versuch wird im Verlauf der Projektphase ausgewertet. Über den weiteren Verlauf wird neu entschieden.

Die Umsetzung des Projektes beginnt ab August 2010. Die 24 angemeldeten Viertklässler aus 10 Klassen werden in zwei Gruppen in zwei Schulzentren unterrichtet.

Die Schulgemeinde Kreuzlingen stellt die Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung. Der in der Zwischenzeit gegründete Verein für Islam-Unterricht in Kreuzlingen (VIUK) ist für die Durchführung des Projektes zuständig.

Die unterrichtende Person ist fachlich und didaktisch ausgebildet und gehört der islamischen Religionsgemeinschaft an. Der Lehrplan des Bundeslandes Bayern wird als Referenzlehrplan übernommen und den Gegebenheiten angepasst.


Verein Islamischer Religionsunterricht

Am 29. April 2010 wurde der Verein für Islam-Unterricht in Kreuzlingen (VIUK) (Siehe: Fotos) gegründet. Der Verein ist für die Durchführung des Projektes verantwortlich. Bedeutsam in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass beide islamischen Gemeinschaften, albanisch-islamischer Verein und türkisch-islamischer Verein, im neuen Verein präsent sind. Damit ist gewährleistet, dass beide Religionsgemeinschaften gemeinsam das Projekt mittragen. Diese Integration kann als vorbildlich bezeichnet werden. Die Vereinsstatuten finden sich hier.


Stellungsnahme Schule Kreuzlingen

Ohne Zustimmung der Schulgemeinde Kreuzlingen ist das Projekt nicht durchführbar. Sowohl die Schulbehörden wie auch die Lehrkräfte stimmen dem Projekt zu. Sie erachten das Projekt als wichtige Chance. Damit findet der Unterricht in einem kontrollierten und offenen Rahmen statt. Muslimische Kinder werden mit ihrer eigenen kulturellen Identität ernst genommen und nicht ausgeschlossen.


Umsetzung des Projektes

Bis Juli 2010 haben sich von 29 Vierklässlern muslimischen Glaubens 25 angemeldet. Rehan Neziri, Imam des albanisch islamischen Vereins Kreuzlingen wird als Lehrer gewählt. Der Trägerverein bezahlt dem albanisch islamischen Verein die Lohnsumme.

Das dreijährige Pilotprojekt konzentriert sich auf die Mittelstufe. Der freiwillige Unterricht für muslimische Kinder soll vorerst in der vierten Klasse in zwei Primarschulzentren beginnen und dann auf die fünfte und sechste Klasse ausgeweitet werden. Fasst man die Mittelstufe (4.-6. Klasse) zusammen, könnten am Ende des Projekts rund 100 Kinder den islamischen Religionsunterricht besuchen. Wir rechnen damit, dass von den rund 100 Kindern der 4. – 6. Klasse im ersten Jahr etwa 25 (nur 4. Schuljahr), im zweiten Jahr 40 (4. Und 5. Schuljahr) und im dritten Jahr 60 Schüler (4. – 6. Schuljahr) den islamischen Religionsunterricht besuchen werden.


Finanzierung

Im Hinblick auf die Finanzierung des Projektes bzw. die Akzeptanz bei den Eltern und den Moscheegemeinschaften ist eine strenge Kostendisziplin notwendig. Bei den Kosten ist im Einverständnis mit der Person, die den islamischen Religionsunterricht voraussichtlich erteilen wird, sehr vorsichtig budgetiert worden. Wir hielten uns an den Ansatz, nach dem nebenamtliche Katechetinnen der Landeskirchen honoriert werden. Er beträgt Fr. 2‘750.- pro Jahresstunde. Die Budgetierung geht davon aus, dass die Schule Kreuzlingen die Räume kostenlos zur Verfügung stellt sowie die Lehrpersonen kostenlos kopieren dürfen.

Im Prinzip gehen wir davon aus, dass analog zur Finanzierung des konfessionellen Religionsunterrichtes durch die Landeskirchen die muslimischen Gläubigen grundsätzlich bzw. längerfristig für den islamischen Religionsunterricht selbst aufkommen müssen. Das Pilotprojekt soll unter anderem zeigen, ob und wie der islamische Religionsunterricht finanziert werden kann. Da die muslimischen Körperschaften nicht öffentlich anerkannt sind und deshalb keine Moscheesteuern bei ihren Mitgliedern erheben dürfen, liegt in der Finanzierung die eigentliche Knacknuss insbesondere für die längerfristige Organisation des islamischen Religionsunterrichtes. Es ist vor allem Sache der muslimischen Organisationen zu entscheiden, in welcher Richtung sie diesbezüglich eine politische Lösung anstreben:

 

  • öffentliche politische Anerkennung oder

  • Selbstorganisation


Im Rahmen des Pilotprojektes wird eine Mischfinanzierung angestrebt: ein Drittel der Kosten übernehmen die Eltern der Schulkinder und ein Drittel die beiden in Kreuzlingen ansässigen Moscheegemeinschaften. Den dritten Drittel organisiert die begleitende Projektgruppe über Beiträge von öffentlichen Organisationen, wirtschaftlichen Unternehmen und privaten Trägerschaften.

 

Aufwand

 

Aufwand

1. Jahr

2. Jahr

3. Jahr

1. - 3. Jahr

         

Personal

5'500

11'000

16'500

33'000

Lehrmittel
(Fr. 30./ Schüler

600

1'500

1'800

3'900

Aufwand Total

6'100

12'500

18'300

36'900

         

Ertrag

       

Eltern

2'100

4'200

6'300

12'600

Moscheen gemeins.

2'100

4'200

6'300

12'600

Beiträge Dritter

2'100

4'200

6'300

12'600

Ertrag Toal

6'300

12'600

18'900

37'800

 

 

Nach der Pilotprojektphase

Im Auftrag der Fachstelle Integration der Stadt Kreuzlingen und der Primarschulbehörde Kreuzlingen wurde dieses Projekt vom Zürcher Büro für Kulturprojekte und Evaluationen kultureval ausgewertet. Am Donnerstag, 27. September 2012 stellte die Autorin Tina Wodiunig die Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.

Gestützt auf die Ergebnisse des Evaluationsberichtes empfehlten die Fachstelle Integration der Stadt Kreuzlingen und die Primarschulbehörde Kreuzlingen zusammen mit dem Runden Tisch der Religionen Kreuzlingen und dem VIUK die Weiterführung des schon bewährten Projektes.

Seit August 2013 wird der IRU als ein normaler Religionsunterricht geführt. Die Finanzierung des Unterrichtes wurde in zwei geteilt: den ersten Teil bedecken die beiden Moscheen aus Kreuzlingen, nämlich die albanische und die türkische Moschee, und den zweiten Teil übernehmen die Eltern der Kinder, die den IRU besuchen.